Apostroph

Mittlerweile freue ich mich sogar über ein Deppen-Apostroph!
(Zumindest wenn der korrekte Apostroph verwendet wurde …)

Der Korinthenkacker

Nutzen

Der Apostroph (auch „Hochkomma“) kennzeichnet vor allem Auslassungen und dient zur Markierung des Genitivs bei Substantiven, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden.

Das Problem

Fangen wir mal anders an: Ich bin ja schon froh, wenn an der richtigen Stelle überhaupt an ein Apostroph gedacht wird.
Das Problem aber ist, dass anscheinend das Wissen verloren ging, wie ein richtiger Apostroph aussieht, wo er eingesetzt wird, geschweige denn technisch korrekt eingefügt wird.

Dadurch entstehen merkwürdige Wortgebilde: Die Einen nutzen ein einfaches Kodierungszeichen, weil es so schön einfach über die Tastatur zu erreichen ist, andere versuchen es mit den Akzenten.
Vor allem in Werbemitteln sieht man immer häufiger den „InDesign-Apostroph“, weil das ach so schlaue Programm denkt, es würde dem Nutzer helfen und setzt statt eines Apostrophs ein einfach schließendes Anführungszeichen.

Ja, nett. Aber verdammt nochmal falsch!

Und dann gibt es noch diese Intelligenz-Bolzen, die denken „och, da muss bestimmt ein Apostroph hin“ und setzen ihn an Stellen, wo man doch rein optisch sehen muss, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.
Dieses Phänomen nennt sich „Deppen-Apostroph“.

Technische Umsetzung

Apostroph
Apostroph
U+2019
 Mac: ⌥ + ⇧ + #
⊞ Win: Alt + 0146

Faustregel: Der korrekte Apostroph besitzt die Form einer 9 mit gefüllter Punze. Je nach Schriftart kann der Apostroph leicht von der Form abweichen. In einer serifenlosen Schrift ist er zumeist ein nach rechts geneigter Strich, der am oberen Ende etwas dicker ist.

Auch wenn ich sie dir am liebsten gar nicht zeigen möchte: Nachfolgend findest du besagte Zeichen, die oft mit dem Apostroph verwechselt werden.
Noch einmal: Wehe, du benutzt eines davon anstatt des korrekten Apostrophs!

Einfaches Kodierungszeichen
Einfaches Kodierungszeichen
U+0027
 Mac: ⇧ + #
⊞ Win: ⇧ + #

Wahrscheinlich durch die leichte Erreichbarkeit über die Tastatur am häufigsten als „Ersatz“ für den korrekten Apostroph zu finden: Das einfache Kodierungszeichen. Lasse ich höchstens als Ersatz für das Fuß-/Minutenzeichen durchgehen.

Fuß-/Minutenzeichen
Fuß-/Minutenzeichen
U+2032

Da sowohl bei MacOS als auch unter Windows kein Tastaturkürzel für das Fuß-/Minutenzeichen existiert, wirst Du es wahrscheinlich kaum zu Gesicht bekommen. Sieht meist wie das einfache Kodierungszeichen aus, kann in bestimmten Schriftarten aber auch einem Apostroph ähneln.

Akut
Akut
U+00B4
 Mac: ´
⊞ Win: ´
Gravis
Gravis
U+0060
 Mac: ⇧ + ´
⊞ Win: ⇧ + ´

Die Akzente Akut und Gravis haben ohne einen darunter liegenden Buchstaben keinerlei Daseinsberechtigung – erst recht nicht als vermeintlicher Apostroph!

Einfach schließendes Anführungszeichen
Einfach schließendes Anführungszeichen
U+2018
 Mac: ⌥ + #
⊞ Win: Alt + 0145

Im Deutschen ein einfach schließendes, im Englischen ein einfach öffnendes Anführungszeichen. Der sogenannte „InDesign-Apostroph“.

Unabhängig davon wäre natürlich eine Alternative, einfach komplett auf den Apostroph zu verzichten. Dann kann man zumindest nichts falsch machen. Andererseits: Das Zeichen gibt es ja nicht ohne Grund, wie die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen.

Gute (und nicht so gute) Anwendungsbeispiele

Richtig: Der Apostroph als Auslassungszeichen.

Der Apostroph dient zur Verdeutlichung nicht dargestellter Buchstaben. Er wird ohne Leerräume direkt zwischen die Buchstaben gesetzt.

Auf geht’s nach D’dorf. / I’m listening to Rock ’n’ Roll.
1) Deutsches Beispiel: „Los geht es nach Düsseldorf.“
2) Englischen Beispiel: „I am listening to Rock and Roll.“

Es gibt aber auch einige Fälle, in denen üblicherweise kein Apostroph gesetzt wird, beispielsweise bei der Verschmelzung von Präposition und Artikel:
ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, unters, vors; am, beim, hinterm, überm, unterm, vorm; hintern, übern, untern, vorn; zur

(Teilweise) falsch: Der Apostroph beim Genitiv-s.

Hier muss man sich mal konzentrieren: Während der Apostroph im Deutschen beim Genitiv nicht gebraucht wird, ist im Englischen das genaue Gegenteil der Fall.

Philipps Idee.
Korrekt im Deutschen: Der „Wessen“-Fall ohne Apostroph.
Tom’s car.
Korrekt im Englischen: Der Genitiv mit Apostroph.

Achtung: Ausnahme! Zur Verdeutlichung darf der Apostroph beim Genitiv verwendet werden, wenn das Wort mit s, ss, ß, tz, z oder x endet. Zusätzlich ist dies auch bei Fremdwörtern der Fall, wenn diese auf ce oder th enden.

Ein sehr ansprechendes Beispiel ist das folgende: Hier wird der Apostroph im ersten Fall korrekterweise weggelassen. Weil es im zweiten Fall aber der Imbiss vom männlichen Andreas ist, darf (und sollte) dort tatsächlich ein Apostroph gesetzt werden, um den Unterschied kenntlich zu machen. Im dritten Fall ist er überflüssig.
Aber: Um dem englischen Beispiel zu folgen, würde ich bei „Adam’s Bar“ oder „Bob’s Diner“ tatsächlich ein Auge zudrücken. (Und unter uns: Auch wenn der Apostroph mega überflüssig ist – ich würde für den dritten Fall hier im Beispiel sogar beide Augen zudrücken.)

Andreas/Andreas’ Imbiss Beispiel
1) Andrea hat einen Imbiss.
2) Andreas hat einen Imbiss.
3) Andrea hat noch einen Imbiss?!

(Teilweise) richtig: Der Apostroph vor der Adjektivendung -sch.

Der Apostroph wird zur Verdeutlichung von Personennamen vor der Adjektivendung -sch genutzt. Kann man machen, muss man aber nicht.
Aber: Ganz oder gar nicht! Wenn man den Apostroph nutzt, muss der Name auch großgeschrieben werden. Wenn nicht, dann bleibt es ein Adjektiv und somit klein.

Grimm’schen/grimmschen Märchen Beispiel
Auch wenn die Variante ohne Apostroph erlaubt ist – schön ist sie nicht.

Definitiv falsch: Der Apostroph beim Plural-s.

Da isser! Der Deppen-Apostroph!
Weder im Deutschen, noch im Englischen wird beim Plural-s ein Apostroph benutzt. Nie! Niemals nie! NIENIENIE!
Und ganz sicher auch nicht bei anderen Wörtern, die ganz normal auf s enden! Du glaubst gar nicht, was ich schon alles sehen musste!

Plural-s Beispiel
1) Nein, nein, nein und … äh, nein!
2) Holy guacamole! NEIN!

Falsch: Der Apostroph beim Imperativ.

Wenn wir schon beim Imperativ sind, habe ich hier auch direkt eine Aufforderung: Der Apostroph hat hier nichts zu suchen!

Imperativ Beispiel
Wörtlich zu nehmen! Apostroph beim Imperativ? Lass das! Geh weg!

Linksammlung: